"War als Arzt absolut seriös"
Georg Ringsgwandl ordiniert heute auf Burg Finkenstein. Der bayrische Kabarettist
und Ex-Chirurg über den Bachmannpreis und Wörther See.
VON ERWIN HIRTENFELDER
Ich rufe Sie aus Kärnten an, zucken Sie jetzt innerlich zusammen?
RINGSGWANDL: Nein, überhaupt neda.
Und wenn ich jetzt das Wort Bachmannpreis fallen lasse?
RINGSGWANDL: Ich habe mittlerweile ein fröhliches Verhältnis
dazu. Ich habe eine Zeitlang geglaubt, ich bin ein verkanntes Genie, aber
ich bin jetzt ganz dankbar.
Dankbar, daß Sie - wie Sie in ihrem Lebenslauf schreiben -
bei Ihrer Klagenfurter Wettbewerbsteilnahme "auf die Schnauze gefallen"
sind?
RINGSGWANDL: Ich habe mittlerweile den Wert dieser Lektion schätzen
gelernt und eingesehen, daß ich kein Hochkunstliterat bin.
Unmittelbar nach Ihrer Lesung waren Sie weniger einsichtsvoll.
RINGSGWANDL: Es hat mir damals wahnsinnig gestunken, vor allem
diese Schreibtischkasperln rundum. Aber ich bin jetzt sehr froh. Wenn die
mich dort gelobt hätten, dann würde ich mir jetzt die ganze Zeit
so ein verschraubtes Zeug aus den Fingern saugen.
Die Finkensteiner Arena betreten Sie also völlig unbelastet?
RINGSGWANDL: Klar. Das war ja im Grunde eine schöne Woche.
Das Wetter war gut und der See warm. Für mich ist der Wörther
See überhaupt ein verkanntes Paradies. Gefreut hat mich vor allem,
daß es dort so leer ist im Sommer. Ein wahrer Geheimtip, und das
kurz vor der Haustür.
Sie haben vor einiger Zeit Ihren Oberarzt-Job an den Nagel gehängt,
um sich voll aufs Kabarett zu konzentrieren. Fehlt Ihnen nicht das Leben
als "Gott in Weiß"?
RINGSGWANDL: Es gibt ja Leute, die in der Früh aufstehen,
in den Spiegel schauen und sagen: Wahnsinn, du bist Oberarzt! Und jetzt
rasierst du dir deinen wichtigen Bart auf deinem Oberarztgesicht. So einer
war ich nie. Ich habe das 20 Jahre lang mit großer Freude gemacht,
aber irgendwann habe ich mich gefragt, ob ich weitere 20 Jahre an jedem
freien Wochenende und im Urlaub so nebenbei Kabarett machen will. Das kann
man nur, wenn man solide Energiereserven hat und die waren irgendwann einmal
erschöpft. So habe ich in einem Alter, in dem andere depressiv werden
und sich auf den Ruhestand vorbereiten, etwas Neues angefangen. Daß
es in Deutschland sehr viele junge Ärzte ohne Job gibt, hat mir die
Sache nur erleichtert.
Wie lebt es sich eigentlich im Vergleich zu früher, können
Sie Ihre Familie noch ernähren?
RINGSGWANDL: Ich verdiene momentan genau so viel wie früher.
Meine Familie findet's o. k. Ich habe eine sehr tragfähige Frau und
zwei Töchter mit 12 und 13 Jahren, die mich sehr kritisch begleiten.
Können die mit Ihren flippigen Musiknummern etwas anfangen?
RINGSGWANDL: Zwei, drei Sachen gefallen ihnen, der Rest nicht.
Die ältere ist zurzeit Michael-Jackson-Fan. Da habe ich gar keine
Chance.
Kabarettisten und ganz besonders Chirurgen eilt der Ruf einer gewissen
Grobschlächtigkeit voraus, vor allem, was den Umgang mit ihrem Publikum
betrifft. Können Sie dieses Vorurteil bestätigen?
RINGSGWANDL: In dem Glasscherbenviertel, wo ich aufgewachsen
bin, waren die Grobheiten und Derbheiten sicher nicht so ausgeprägt
wie im Krankenhausbetrieb. So mancher Maurer könnte da ins Staunen
kommen. Ich selbst habe vor den Leuten, die mir anvertraut waren, immer
hohen Respekt gehabt. Ich war ja selbst lange Zeit Patient. Die kaltschnäuzige
Arroganz mancher Kollegen habe ich nie ganz nachvollziehen können.
Als Arzt war ich absolut seriös. |